Frieden:
Aufruf des Friedensratschlages
Hände weg von Iran und Syrien!
Den wirtschaftlich und politisch Herrschenden müssen Kriege wie in Afghanistan, Irak und Libyen unmöglich gemacht werden. Militärischen Interventionen gegen Syrien und Iran widersetzen wir uns. Im Konflikt gegen Syrien und Iran geht es nicht um Menschenrechte und Atompolitik, sondern um die Vorherrschaft in einer der geostrategisch bedeutendsten Regionen.
http://www.ag-friedensforschung.de/bewegung/baf/Iran-Syrien-Aufruf.pdf
Aus der Homepage des Friedensratschlages:
Münchner Sicherheitskonferenz (früher: Wehrkundetagung)
Informationen, Dokumente, Hintergründe
Die jedes Jahr Ende Januar/Anfang Februar in München stattfindende Sicherheitskonferenz (frühere Bezeichnung: Wehrkundetagung) zählt zu den wichtigsten Tagungen politischer und militärischer Planer und Strategen der "westlichen Welt".
Zur Sicherheitskonferenz 2012 dokumentieren wir den Aufruf der Friedensbewegung: "Kein Frieden mit der NATO – Kein Frieden mit dem Kriegsgeschäft!"
http://www.ag-friedensforschung.de/themen/Sicherheitskonferenz/Welcome.html
IPPNW-Presseinformation vom 17.1.2012:
Debatte um Syrien-Aufruf:
Medien müssen über westliche Doppelmoral aufklären
Die ärztliche Friedensorganisation IPPNW kritisiert die öffentliche Debatte um den Aufruf gegen Kriegsvorbereitungen und Embargo Syriens und des Irans als Medienkampagne gegen Teile der Friedensbewegung. „Keiner der Unterzeichner des Aufrufs verteidigt die brutale Gewalt des syrischen Präsidenten gegen sein eigenes Volk. Ziel des Aufrufs ist allein, vor der drohenden Kriegsgefahr für die Bürger im Syrien und im Iran durch eine Eskalation der Konflikte aufgrund der Embargopolitik und permanenter Kriegsdrohungen zu warnen“, erklärt der IPPNW-Vorsitzende Matthias Jochheim.
Kriegerische Interventionen sind kein Mittel zur Verteidigung der Menschenrechte. Ihre Opfer sind im Gegenteil in der Mehrzahl Zivilisten, deren Leben zu verteidigen, nur vorgeblich Ziel dieser Interventionen ist. Der Krieg gegen Libyen hatte nach Angaben der Rebellen etwa 50.000 Tote, zahllose Verletzte und Vertriebene sowie eine große Zerstörung von Infrastruktur zur Folge.
Verhaftungen und Verhöre ohne Prozess und Rechtssicherheiten und unter Folter sind ebenso zu verurteilen, wenn sie sich im Iran, Syrien oder in Guantanamo ereignen. Auch die „gezielte Tötung“ von Wissenschaftlern und Politikern ist mit dem Völkerrecht unvereinbar. Die Androhung von Gewalt gemäß Artikel 2 (4) der UN-Charta ist genauso verboten wie die Anwendung von Gewalt. Auf diese Doppelmoral der westlichen Staatengemeinschaft im Umgang mit ungeliebten Regimen weist die Friedensbewegung hin. Große Teile der Medien kommen dieser Aufgabe nur unzureichend nach.
Erklärung von IPPNW-Beirat Prof. Dr. Norman Paech zum Leitartikel „Syrien und den Linken Damals wie heute“ von Christian Bommarius, Frankfurter Rundschau und Berliner Zeitung vom 14. Januar 2012:
http://www.nachdenkseiten.de/wp-print.php?p=11918
„Kein Krieg um Iran! Die Waffen nieder – Friedenspolitik beginnen!“,
Text von IPPNW-Beirat Andreas Buro
http://www.ippnw.de/commonFiles/pdfs/Frieden/Kein_Krieg_um_Iran_buro.pdf
Pressekontakt:
Angelika Wilmen, Tel. 030 – 698 074 15, Deutsche Sektion der Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges, Ärzte in sozialer Verantwortung (IPPNW), Körtestr. 10, 10967 Berlin, http://www.ippnw.de
Aus der Bundestagsfraktion DER LINKEN:
Pressemitteilung, 26.08.2011 – Ulla Jelpke
Bundespolizei-Einsatz in Saudi-Arabien: Bundesregierung kapituliert vor Despoten
„Beim Einsatz der Bundespolizei in Saudi-Arabien macht die Regierung einen Kotau nach dem anderen vor dem feudalen Regime. Die Polizisten müssen auf die Vermittlung zentraler rechtsstaatlicher Werte verzichten und sind zudem faktisch dem Rüstungskonzern EADS untergeordnet“, erklärt Ulla Jelpke, innenpolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE, zu einer Antwort der Bundesregierung auf eine erneute Anfrage zu der umstrittenen Ausbildungstätigkeit der Bundespolizei. Jelpke weiter:
http://www.linksfraktion.de/pressemitteilungen/
bundespolizei-einsatz-saudi-arabien-bundesregierung-kapituliert-despoten/?rss
Panzerlieferung an Saudi Arabien ist wirklich das Letzte
Gregor Gysi in der Aktuellen Stunde zur mutmaßlichen Liefergenehmigung durch die Bundesregierung von wohl 200 Leopard-Kampfpanzern an Saudi Arabien
http://www.linksfraktion.de/reden/panzerlieferung-saudi-arabien-wirklich-letzte/
Aus der JUNGLE WORLD:
Gelenkte Demokratie
von Jörn Schulz, 22.07.2011
http://jungle-world.com/von-tunis-nach-teheran/1250/
Aus WELT - ONLINE:
1."Freiheitsflotte" - Israelische Marine entert Yacht vor Gazastreifen
19.07.2011
http://www.welt.de/politik/ausland/article13495575/
Israelische-Marine-entert-Yacht-vor-Gazastreifen.html
Kommentar
von Red.File: Angriff der Gutmenschen, die ihre Sachen im Hafen auf
brav abgeben durften - Raider wird Twix, ansonsten ändert sich nix!
2.Arabische Liga fordert UN-Status für Palästinenser
14.07.2011
http://www.welt.de/politik/ausland/article13487092/
Arabische-Liga-fordert-UN-Status-fuer-Palaestinenser.html
Kommentar
von Red.File: Als ob diese Heuchler sich für die Belange der dortigen
Bevölkerung jemals auch nur einen feuchten Schmutz interessiert hätten.
Die Regierungen der arabischen Staaten verwenden "Palästina" lediglich
als willkommenes Politikum und halten ihre Grenzen ansonsten gegen die
Palästinenser dicht.
Aus der WORLD SOCIALIST WEB SITE (wsws.org)
Military stalemate in Libya heightens US-NATO crisis
By Patrick O’Connor, 5 July 2011
http://www.wsws.org/articles/2011/jul2011/liby-j05.shtml
Fußgängerzone => Halteverbot => Flugverbotszone: Blödsinn!!!
In Libyen herrscht Krieg!
(von Red.File, 18.03.2011 )
Abgesehen von der Flugverbotszone: Gaddhafi verfügt offensichtlich auch noch über starke Artillerie- und Panzerver-bände, die er selbst unter Einhaltung des Flugverbotes gegen die Bevölkerung weiter zum Einsatz bringen kann.
Fazit: Egal, ob man für oder gegen Krieg in Libyen ist, man sollte das dann auch so, und nicht anders benennen.
So kann sich jeder sein Urteil über das "Funktionieren" von militärischen Lösungen, anhand von Irak oder Afghanistan, anschaulich belegt, bilden.
Vergleiche hierzu die Pressemitteilungen von Partei und Bundestagsfraktion DER LINKEN unter:
http://www.linksfraktion.de/themen/friedenspolitik/
Sarkozy läßt die Katze aus dem Sack!
(von Red.File, 19.03.2011)
-bitte hier klicken!-
Sarkozy bekräftigt das Recht des Volkes von Libyen, über seine Zukunft selbst zu bestimmen, und sieht sich darin und bei den Luftangriffen einig mit den USA, der EU, Canada und der Arabischen Liga.
Kolonel Gaddhafi habe seit des Beginnes seiner mörderischen Gewaltaktionen jegliche Legitimität verloren.
Hier geht es daher - egal wie man selbst zu Militärinterventionen steht - um nichts anderes als Krieg und darum, Gaddhafi loszuwerden.
Sarkozy sagt zwar auch in einem kurzen Satz, dass sich für Gaddhafi die Türen der Diplomatie wieder öffnen würden, wenn er nur die Gewalt beendete. Aus dem Zusammenhang der Rede wird aber klar, dass ein Waffenstillstand seitens Gaddhafis sofort weitere politische Forderungen seitens Frankreichs im Hinblick auf die Verfasstheit des libyschen Staates nach sich ziehen würde, die natürlich eine Beedigung des Regimes zur Folge haben müsste, d.h. der Egomane Gaddhafi müsste dann seinen eigenen Untergang unterzeichnen.
Verhandlungsangebote werden konsequenterweise in der Rede nicht gemacht.
Wie bereits gesagt: Völlig egal, wie man sonst zur Militärintervention und Gaddhafi steht: Krieg ist Krieg!
Im Gegensatz dazu hält sich der Spanische Ministerpräsident Zapatero strenger an den Entschließungstext des UN-Sicherheitsrates, von Legitimität der Macht in Libyen spricht er nicht, betont aber die Breite des Bündnisses, inclusive der Arabischen Liga. Er schickt 4 Kampfjets, 1 Transportflugzeug für Wasser, 1 Aufklärungsjet, eine Fregatte, sowie ein Unterseeboot vor die libysche Küste.
-Rede des spanischen Ministerpräsidenten: bitte hier klicken!-
Die USA hat inzwischen ein Flugzeugträger in Marsch gesetzt und fliegt zusammen mit Großbritannien von Kriegsschiffen aus Raketenangriffe gegen Libyen. Die Voraussage über eine Ausweitung des Krieges, der jetzt schon weit über die Einhaltung einer Flugverbotszone hinausgeht, ist bereits eingetroffen
Hier bewahrheitet sich wieder der Ausspruch, dass der Beginn des Krieges meist das Ende der Wahrheit zur Folge hat. Da muss jeder auf seinen Sprachgebrauch achten - egal ob Kriegsbefürworter oder -gegner!
Frieden und Demokratie in Nordafrika:
Auch
wenn Freunde jener Potentaten nordafrikanischer Staaten - egal ob das
Geschäftsleute oder Politiker aus Deutschland sind, die mit diesen
Verbrechern Waffen oder Industriegüter verschoben oder sich mit ihnen
darüber geeinigt haben, zu welcher Gegenleistung der edlen EU
Flüchtlingsströme erspart bleiben könnten oder ob das sich "links"
nennende Individuen sind, die diese Diktatoren und Verbrecher als
antiimperialistisches Bollwerk gegen die bösen USA wie goldene Kälber
anhimmeln - kann es für fortschrittliche, progressive und emanzipativ
eingestellten Menschen nur eine Reaktion auf die Ereignisse in diesen
Staaten geben, nämlich den Aufruf:
Nieder mit den
Tyrannen und Verbrechern der Regime in Nordafrika, sie verdienen nicht
den geringsten Respekt, sondern gehören auf den Müllhaufen der
Geschichte !
An die administrative Ebene von Weltbank und UN: Spürt die Vermögen dieser Potentaten auf und blockert deren Bankkonten!
Zur Orientierung darüber, was in den verschiedenen Ländern so läuft,
ist besonders die Homepage der AG Friedensforschung geeignet, die seit
langer Zeit die deutschlandweiten "Friedensratschläge" veranstaltet
http://www.ag-friedensforschung.de/
sowie die folgenden Links der Kategorie "Regionen":
http://www.ag-friedensforschung.de/regionen/
Ägypten-Dossier:
http://www.ag-friedensforschung.de/regionen/Aegypten/Welcome.html
Libyen-Dossier:
http://www.ag-friedensforschung.de/regionen/Libyen/Welcome.html
Tunesien-Dossier
http://www.ag-friedensforschung.de/regionen/Tunesien/Welcome.html
Bahrain-Dossier:
http://www.ag-friedensforschung.de/regionen/Bahrain/Welcome.html
Algerien-Dossier:
http://www.ag-friedensforschung.de/regionen/Algerien/Welcome.html
Jordanien-Dossier:
http://www.ag-friedensforschung.de/regionen/Jordanien/Welcome.html
Syrien-Dossier:
http://www.ag-friedensforschung.de/regionen/Syrien/Welcome.html
Marokko-Dossier:
http://www.ag-friedensforschung.de/regionen/Marokko/Welcome.html
Libanon-Dossier:
http://www.ag-friedensforschung.de/regionen/Libanon/Welcome.html
Frieden in Afghanistan
das geht offensichtlich dort in Afghanistan, wo kein Militär vorhanden ist - wenn man diejenigen fragt, die etwas davon verstehen - also keine Politiker und keine Militärs.
Dazu
die folgende Rede von Jan van Aken (DIE LINKE, MdB), die Gespräche
wiedergibt, die er mit Entwicklungshelfern in Afghanistan geführt hat.
http://www.linksfraktion.de/reden/afghanistan-bericht-dokument-scheiterns/
Die Konsequenz kann also nur lauten:
Die Bundeswehr hatte und hat in Afghanistan nichts zu suchen - also raus damit, und zwar sofort!
Denn:
Der
Afghanistan Krieg dient und diente nicht der Terrorbekämpfung. Militär
ist zu diesem Zweck völlig ungeeignet. Das zeigt ja auch der Krieg im
Irak: Vor dem Krieg herrschte dort ein Diktator, jetzt hat man ihn
durch den Terror ersetzt
Der
Taliban-Terror wird von Saudi-Arabien aus finanziert. Mit diesem Land
wollen es sich die deutsche Kapitalbourgeoisie und ihre
Polit-Marionetten aber nicht verderben. Kuscheln ist offensichtlich
besser fürs Geschäft als demokratische Prinzipien oder gar
Menschenrechte
Es
geht also weder um Aufbau noch um Demokratie. Auch nicht um
irgendwelche Interessen der deutschen Bevkerung, die am Hindukusch
verteidigt werden müssten. Es geht einzig und alleine darum, dass sich
Kapitalbourgeoisie und deren Unterschabsel aus der Politik in
Afghanistan einen Vorgarten leisten, der dazu dient, Waffen zu
produzieren und zu finanzieren, und in der Region einen
Hegemonialanspruch zu sichern.
Offensichtlich
leiden die Beteiligten auch an einem schweren "Little-Man-Syndrome",
schließlich hat sich noch nie die Gelegenheit geboten, die USA nach
ihrem Abzug so billig zu "beerben".
Die
Halbherzigkeit und Widersprüchlichkeit der Argumentation von
Kriegsbefürwortern spiegelt Greogor Gysi in der folgenden Rede vor dem
deutschen Bundestag in gewohnt brillianter Form:
http://www.linksfraktion.de/reden/wir-wollen-nicht-kopflos-raus-sind-kopflos-rein/
Red.File, 31.12.2010
Friedensmuseum Nürnberg:
-bitte hier klicken!-
Zum Umgang mit dem Thema "Iran" im Lichte des Afghanistan-Krieges und der Globalisierungskritik
(Red.File, 05.2010)
1.Die Friedensdebatte innerhalb der Gesellschaft der Bundesrepublik Deutschland, die einerseits mehrheitlich den Kriegseinsatz der Bundeswehr in Afghanistan klar ablehnt, unter anderem, weil es mittlerweile deutlich erkennbar ist, dass dieser Konflikt militärisch nicht zu gewinnen ist. Auf der anderen Seite haben die islamistisch-reaktionären Kräfte sowohl in Afghanistan als auch im Iran oft genug unter Beweis gestellt, zu welch irrationalen und gefährlichen Taten sie fähig sind. Man kann sich leicht ausmalen, was sie mit einer oder mehreren Atombomben anstellen würden, wenn sie sich in ihrem Besitz befänden. Fakt ist, dass sie sich zum Ziel die Vernichtung Israels und sämtlicher westlicher Demokratien gemacht haben. Die Attentate, die
Menschen gleicher geistiger Verfasstheit in Madrid und London begangen haben, sind ja nun nicht so lange her!
Die Friedensthematik ist also bei Weitem nicht nur auf Afghanistan beschränkt, noch erschöpft sie sich in Demos für den Abzug der Bundeswehr. Warum sind die so schlecht besucht, obwohl die Mehrheit für einen sofortigen Truppenabzug ist? Ich denke, hier fehlt eine glaubwürdige LINKE, der man nicht nur zutraut, bei nationalen und internationalen Ereignissen gegen den Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr aufzutreten, sondern die auch zum Thema Frieden generell etwas zu sagen hat und Menschen überzeugt, wie mit Agressoren und Reaktionären generell politisch und diplomatisch umzugehen ist.
Wer sonst, wenn nicht wir, soll denn als moderne und ernstzunehmende LINKE Partei in der Öffentlichkeit für Frieden und Abrüstung eintreten? - Genau deshalb müssen wir in der Lage sein, die Situation in Afghanistan und Iran als zwei Seiten einer Medaille zu sehen, und fundierte Meinungen hierzu zu äußern, auch wenn die sicherlich nicht einheitlich sein werden. Die Zeichen stehen gut, dass wir damit die gesellschaftliche Diskussion über Frieden, Abrüstung und internationalen Ausgleich nach vorne bringen können. Jedes Jahr die gleichen Demos zu besuchen, reicht da nicht für eine Partei! Billiger wird der Anspruch, eine relevante Friedenspartei sein zu wollen, nicht zu haben sein.
2.Der Umgang mit Neofaschismus/Antisemitismus im Lichte des Israel/Palästina-Konfliktes. Es gibt von zahlreichen LINKEN Äußerungen, die völlig zu Recht, die Siedlungspolitik Israels kritisieren, sowie deren Kriegsverbrechen gegen die palästinensische Zivilbevölkerung anprangern. Wenn dann aber diese Politik mit dem deutschen Faschismus gleichgesetzt wird, so ist das geistige Brandstifterei.
Es ist sicherlich so, dass Chauvinismus und Nationalismus in Israel eine große Rolle spielen, der Kern des deutschen Faschismus liegt aber im Antisemitismus und in der vollständigen Vernichtung einer Kutlur.
Gleichsetzungen sind hier absolut unzulässig und verharmlosen letztendlich den Faschismus. Solche Äußerungen, die größtenteils wohl unbewußt sein mögen, aber von ihrem Gehalt her klar als antisemitisch einzustufen sind, weil sie den Faschismus verharmlosen, habe ich leider viel auch unter Linken gehört, teilweise auch offene Ausfälle gegen den Staat Israel, die auch durchaus auf Parteitage der NPD gepasst hätten.
Diese Hetze frisst natürlich auch vom Teller der Islamisten in Iran und anderswo, die sich lieber heute als morgen die Auslöschung der einzigen Demokratie innerhalb der arabischen Welt wünschen. Das zeigt sich auch daran, dass maßgebliche Funktionäre der NPD bei den iranischen "Revolutionsgarden" ein- und ausgehen.
Gleichsetzungen von jüdischen Menschen und Staatsbürgern Israels verbieten sich, weil es auch viele Menschen jüdischen Glaubens gibt, die sich z.B. als Briten oder Franzosen fühlen; der Staat Israel ist aber die letzte Option für jeden Menschen jüdischen Glaubens in der Diaspora, der sich existenziell bedroht fühlt. Deshalb ist das Existenzrecht Israels angesichtes der Geschichte des deutschen Faschismus und des Holocaust unverbrüchlich.
Wer als LINKER in der Bevölkerung glaubwürdig gegen die NPD auftreten will, muss an 3 Flanken gleichzeitig kämpfen:
a) gegen die faschistische und antisemitistische NPD selbst, hier sind beide Begriffe unverbrüchlich miteinander verbunden, weil es den Hitlerfaschismus ohne Antisemitismus nicht gegeben hätte. Somit verbieten sich auch irgendwelche Lobhudeleien über angeblich anständige Nazis wie Speer, Dönitz, v.Siemens und Konsorten, genauso wie es verhindert werden muss, dass sich die NPD als staatsmännisch oder solidarisch-sozial darstellen kann.
b) gegen institutionellen Philofaschismus: Gegendemonstranten wegen Formalitäten zu kriminalisieren und NPD-Kundgebungen und Parteitage zu erlauben, stellt keinen Rechtsfrieden her, sondern unterläuft Recht und Demokratie.
c) gegen Antisemitismus von links. Hierzu bedarf es Ehrlichkeit, Wahrhaftigkeit und Fähigkeit zur Selbstkritik. Der Lohn dieser Auseinandersetzung wird die Bildung einer LINKEN sein, die für Demokratie und Fortschritt relevant sein wird.
vgl. hierzu:
http://blog-der-wendungen.blogspot.com/2010/05/knobloch-warnt-vor-linkem.html
Die Ausfälle eines Herren Westerwelle gegen die HARTZ-IV-Empfänger fallen nicht vom Himmel. Gefährlich an ihnen ist nicht nur der Inhalt, sondern die Fragestellung, aufgrund welcher Überlegungen Herr Westerwelle meint, dass diese Äußerungen ihm nützen. Klar muss er sich bei nationalistischen Tönen zurückhalten wegen der international arbeitenden Kapitalbourgeoisie. Herr Westerwelle ist aber schlau genug,
zu wissen, dass diese Äußerungen auf den für so etwas fruchtbaren Boden eines sich benachteiligt fühlenden deutschen Kleinbürgertums fallen.
Dessen Ummünzung in das Nationale nach dem Motto "ein anständiger Deutscher weiß immer, was er zu arbeiten hat, notfalls auch umsonst", nimmt Herr Westerwelle natürlich unwidersprochen hin, weil er zusammen mit den Unionsparteien die Mär aufrechterhalten muss, dass in einem beschaulichen deutschen Kapitalismus so etwas wie in Griechenland niemals passieren würde. Damit befördert er direkt die NPD, die
keinerlei Rücksichten nehmen muss und daher viel vollmundiger und authentischer auftreten kann.
Hier führt also die Aufrechterhaltung des kapitalistischen Systems, was sich mittlerweile überlebt hat, unmittelbar zu Chauvinismus und Nationalismus, sogar ohne dass sich der Protagonist nationalistische Töne erlaubt. Westerwelle haiderisiert nicht nur die FDP, sondern die ganze Gesellschaft.
Hier müssen linke Globalisierungskritiker aufpassen, dass sie nicht unbedacht das Gleiche tun. Um das zu vermeiden, müssen sie den Kapitalismus von seinen Grundsätzen her kritisieren, anstatt sich in Verbalinjurien gegenüber dem "internationalen" Kapital oder gar gegenüber den USA zu ergehen. Am konsequentesten in diesem katastrophalen Sinne betätigt sich hier ein gewisser Senor Chavez, Regierungspräsident aus Venezuela, der sich immer stärker zum Diktator entwickelt und das iranische Staatsoberhaupt Herrn Ahmadinedschad seinen "Freund" nennt.
Kapitalismus hat von sich aus den Hang zur Kapitalakkumulation bzw. zur Spekulation. Je mehr nationale Gesetze für so etwas Spielraum lassen, desto mehr und skrupelloser wird auch spekuliert, egal, ob der Kapitalist Deutscher, Kroate Südafrikaner oder US-Amerikaner ist.
Die LINKE macht sich auf die Dauer unglaubwürdig, wenn sie völlig zu recht gegen alte und neue Faschisten vorgeht, ihre Kapitalismuskritik aber nicht vom System her betreibt, sondern linksnationalistischen Kapitalismusverklärungen Raum lässt. Sie muss Kapitalismuskritik messerscharf und auf den Punkt genau betreiben, wenn sie in dieser Auseinandersetzung öffentlich relevant bleiben will, sonst wird die Debatte an ihr vorbeiziehen.
Der eigentliche Skandal an der Währungkrise ist auch nicht das Verhalten der Spekulanten, sondern DER GROSSKOTZIGE HEGEMONIALANSPRUCH DER BUNDESDEUTSCHEN REGIERUNG INNERHALB DER POLITISCHEN UND MONETÄREN INSTITUTIONEN DER EU, GEPAART MIT ABSOLUTER UNFÄHIGKEIT UND UNVERSCHÄMTHEIT. Fr. Merkel legt hier ein Verhalten an den Tag, welches man jedem anderen Menschen, der sich nur 10 Minuten am Tag so verhält, als Impertinenz auslegen würde, anstatt wirkungsvolle Maßnahmen gegen Leerverkäufe, Hedge-Fonds und spekulative Kreditversicherungen durchzuführen.
Fazit: Die Debatte über diesen Themenkomplex gilt es gut vorbereitet und sauber zu führen, Diskussionen aus dem hohlen Bauch heraus verbieten sich hier strikt.
+++++Archiv:+++++
Rede, zum Antikriegstag am 01.09.2007, gehalten in Erlangen:
Liebe Bürgerinnen und Bürger von Erlangen,
wir treffen uns hier zum traditionellen Antikriegstag am 1.September
weil der Deutsche Bundestag in der Sitzungswoche vom 17. bis zum
21.September über die Verlängerung der Kriegseinsätze der Bundeswehr in
Afghanistan beschließen wird. Kurz davor wird es in Berlin eine
Protestdemonstration hierzu geben. Gefordert wird der Abzug aller
ausländischer Besatzungstruppen und die Entschädigung und der
Wiederaufbau des Landes.
Schon Aufgabenstellung und Verlauf der verschiedenen Militäraktionen
sind so unübersichtlich, dass sie sich von vornherein jeder
demokratischen Kontrolle entziehen. Währeddessen hat sich die
Sicherheits- und Versorgungslage in Afghanistan für die
Zivilbevölkerung seit dem Jahre 2002 stetig verschlechtert.
Das ursprüngliche Mandat Operation Enduring Freedom (OEF) entstand als
Reaktion der USA auf die verbrecherischen Anschläge vom 11.9.2001. Neu
hieran war, dass die USA als Reaktion auf die Anschläge von Terroristen
einen Krieg gegen ein souveränes Land begannen, aber immer vom „Krieg
gegen den Terror“ sprechen. Hieraus leitete die NATO dann die Bedrohung
der USA ab und damit für alle Mitgliedsstaaten den Eintritt des
Bündnisfalles.
Ein solcher Einsatz ist aber keinesfalls vom Grundgesetz der
Bundesrepublik Deutschland gedeckt. Trotzdem mobilisierte die
Bundesregierung hiefür Marinekräfte, die seither um das Horn von Afrika
und die arabische Halbinsel patrouillieren. Das Mandat umfasst aber
ebenso den Einsatz der ABC-Abwehr, des Sanitätsdienstes und des geheim
operierenden Kommandos Spezialkräfte (KSK), dessen Handlungen nicht
durch den deutschen Bundestag oder gar die Öffentlichkeit kontrolliert
werden können.
Nach der schnell erfolgten Besetzung der Hauptstadt und die
Installation einer Übergangsregierung mandatierte die UNO den Aufbau
einer Schutztruppe unter der Beteiligung der Bundeswehr, die die
Sicherheit und den Wiederaufbau zunächst in Kabul gewährleisten sollte.
Der Einsatzbereich dieser ISAF-Truppe wurde aber schon bald auf das
ganze Land ausgedehnt. Begnügte man sich anfangs noch mit gut 8000
Soldaten, so kommen jetzt zu den rund 8000 OEF-Soldaten jetzt
mittlerweile 35000 ISAF-Soldaten zum Einsatz.
Beide Einsätz verschmelzen zusehends, die ISAF-Truppen werden zunehmend
in massive Kampfhandlungen einbezogen. Sämtliche Luftbewegungen werden
durch den US-Luftwaffenstützpunkt Katar koordiniert, der Kommandeur der
OEF ist auch gleichzeitig Chef des Regionalkommandos Ost der ISAF. Die
Trennung ist also aufgehoben. Die Soldaten der KSK-Truppe sind für
beide Operationen abrufbar jenseits jeglicher parlamentarischer
Kontrolle.
Die Bevölkerung in Afghanistan lehnt mittlerweile die Präsenz
ausländischer Truppen ab. Sie steht mehrheitlich politisch nicht hinter
den Taliban, sieht sie aber durch den Krieg als ihre einzige Sicherung,
überhaupt zu überleben.
In Afghanistan gibt es weder Schwerindustrie, noch
Lebensmittelindustrie. Alle Produkte werden importiert durch die
Besatzungsmächte. Die Afghanische Regierung ist dazu verpflichtet,
ausländische Investitionen zu schützen. Darüberhinaus muß sie den
100%-igen Transfer von Gewinnen in die Besatzungsstaaten gewährleisten,
darf also weder Zölle noch Steuern erheben. Dementsprechend vermeldet
auch die Bundesagentur für Außenwirtschaft jubilierend, dass
Afghanistan als eine der offensten Volkswirtschaften angesehen werden
könne, frei von Handelsbeschränkungen und Subventionen. Zynischer geht
es wirklich nicht mehr.
Über die Opfer unter der Zivilbevölkerung schweigt man sich aus.
Offiziell spricht man für die ISAF für das Jahr 2006 von rund 1000
Toten. Laut einer Umfrage des britischen „Guardian“ bei den
Hilfsorganisationen ergeben sich aber für den Zeitraum von 2002 – 2006
mindestens 20 000 bis 50 000 tote Zivilisten. Die Lage der Überlebenden
ist katastrophal: Nur ein Viertel der Bevölkerung hat Zugang zu
Trinkwasser, 70% der Bevölkerung leidet unter chronischem
Nahrungsmittelmangel, gerade 10% der Bevölkerung verfügt über
elektrischen Strom. Während für militärische Ausgaben 82,5 Milliarden
Dollar bezahlt wurden, belief sich die Entwicklungshilfe gerade einmal
auf 7,3 Milliarden.
Dies ist angesichts der andauernden Zerstörung durch das Militär
natürlich viel zu wenig, oftmals versickert das Geld in sinnlose
Projekte und wandert wieder an ausländische Konzerne zurück.
Das Gefühl von Perspektivlosigkeit in der Bevölkerung, weil die
Besatzung sie daran hindert, eigene wirtschaftliche Tätigkeit zu
entwickeln, Arroganz und Ignoranz der Besatzungstruppen, der Bruch
deren Versprechens, das Land wieder aufzubauen und Zivilisten zu
schützen, bilden einen breiten Widerstand innerhalb der afghanischen
Bevölkerung aus, der sich schon lange nicht mehr auf Taliban und
Al-Kaida reduzieren läßt.
Daneben wird die von der Besatzung gestützte Regierung, die oftmals mit
lokalen Warlords und Drogenbaronen von einem Teller ißt, als korrupt
und dekadent abgelehnt. Über 50% der Bevölkerung halten Anschläge auf
Besatzungstruppen für legitim. Der Vorsitzende des Bundeswehrverbands
Berhard Gertz gibt auch zu, dass die Annahme dass die Masse der
Bevölkerung hinter der Regierung Karsai und der ISAF-Truppe stünde
offensichtlich nicht ganz zutreffend sei. „Es sind nicht nur wenige
Terroristen die uns bedrohen. Viele Afghanen stehen als deren
Unterstützer zur Verfügung“.
So hat sich von 2005 auf 2006 die Zahl der Selbstmordattentate mehr als
vervierfacht, die Zahl der Bombenanschläge verdoppelt und die Zahl der
direkten Angriffe auf die Besatzungstruppen mit leichten Waffen und
Granaten nahezu verdreifacht.
Dieser Krieg gegen den Terror ist also schon längst zum Krieg für den
Terror geworden. Er verfehlt seine Ziele, falls diese überhaupt jemals
realistisch waren. Die losgetretene Gewaltspirale läßt den Aufbau eines
zivilen und souveränen Staates Afghanistan immer unrealistischer
werden, von Demokratie kann erst recht keine Rede sein.
Der Krieg ist ein Verbrechen an der Menschheit. Demokratie kann man
nicht herbeibomben, eine Zivilgesellschaft läßt sich nicht auf Basis
von einseitiger Vorteilsnahme, Lüge und Gewalt erreichen.
Es muß auch daran erinnert werden, dass die USA selbst es waren, die
die Taliban zuvor als willkommene Helfer gegen die damalige sowjetische
Besatzung in Afghanistan massiv unterstützt haben.
Es ist höchste Zeit zur Umkehr. Die Mehrheit der Bevölkerung der
Bundesrepublik Deutschland lehnt es ab, sich zum Komplizen dieses
internationalen Mordhandwerks zu machen. Wir fordern daher die
Abgeordneten des Deutschen Bundestages auf, gegen die Verlängerung
aller Mandate der Bundeswehr in Afghanistan zu stimmen, um dem
schwierigen Wiederaufbau des Landes überhaupt eine Chance zu geben.
Imperialistischer Irak Krieg
– das schlimmste Verbrechen seit Vietnam und die gespenstische Musik
weltbürgerlicher Presseberichterstattung spielt dazu
(von Red.File 2.2.2005)
Nicht, dass es zu wenig Texte gäbe, die über den Irak-Krieg geschrieben
worden sind, aber wenn man sie sich ansieht, so enthalten viele von
ihnen mehr oder weniger umfangreiche Einzelinformation und kommen dann
recht schnell zu einer Antihaltung auf Grundlage des bürgerlichen
Pazifismus und gehen höchstens allgemein auf die Motivation des
Aggressors USA ein.
Alle diese Texte mit unterschiedlichen idealistischen „Einfärbungen“
haben ihren Wahrheitsgehalt – und der Irak-Krieg scheint eine
Entwicklung zu durchlaufen, die mal der einen und mal der anderen
Grundeinstellung Recht zu geben scheint. Das mag für das
(links-)liberale Bürgertum ausreichen, Kommunismus fragt aber nach dem
Erkenntnisgewinn. Und Erkenntnisgewinn bringt nicht eine mehr oder
weniger gut nachvollziehbare Bestätigung einer ohnehin schon im Ansatz
vorgefaßten politischen Meinung, sondern nur eine Debatte mit dem Ziel,
zu erkennen, was ist.
Dieser Ist-Zustand der Welt wird im Wesentlichen bestimmt von der
dominierenden ökonomischen Gesellschaftsform des Kapitalismus (in
seiner letzten Phase) und der ihn am massivsten und aggressivsten
repräsentierenden Macht, den USA. Diese Reihenfolge und Gewichtung ist
strikt einzuhalten, wer das umdreht, verläßt Kommunismus und
Antiimperialismus in Richtung Verschwörungstheorie, Nationalismus und
Idealismus.
Auf diesen Gesamtzusammenhang (==> Antiimperialismus)
aufklärerisch zu bestehen und idealistischen, bzw. idealisierenden
Betrachtungen, die meinen, im imperialistischen Krieg der USA gegen die
Bevölkerung des Irak, einen wie auch immer gearteten, weltbürgerlichen
Gesamtkonsensus über „Demokratie“ herstellen zu können, über den man
mit den Imperialisten dann höchstens noch um den Weg, diesen zu
erreichen oder um einzelne Punkte streiten muss, ist entschieden
engegenzutreten. Das ist Verrat ! Kommunisten sind oft genug Opfer von
Verrat geworden, es ist daher die Bringschuld eines jeden, der sich als
Kommunist oder Kommunistin bezeichnet, diesen zu verhindern.
Der Beginn des Irak-Krieges fand im Lichte des breits laufenden
Afghanistan-Krieges statt, bei dem es den USA wenigstens teilweise
gelang, der Weltöffentlichkeit staatsmännisches Denken vorzuführen,
welches auch in Teilen der Linken Zustimmung fand; man argumentierte:
„Nach den Anschlägen vom 11.9.2001 kann wohl Bush nicht anders, als zu
reagieren.“ Dies ist eine typische idealistische Argumentation
liberalen Bürgertums, welches den Präsidenten der USA auf eine Stufe
mit der Bevölkerung stellt, um dann zu implizieren: „Wir an seiner
Stelle hätten auch nichts anderes tun können“. Erleichternd kam hinzu,
dass man der Weltöffentlichkeit tatsächlich mit dem Taliban-Regime eine
verabscheuenswürdige Despotenbande vorführen konnte, die nichts anderes
gemacht hatten, als noch bestehende funktionelle staatliche
Infrastruktur verkommen zu lassen oder zu zerstören, um Ressourcen
aller Art für ihren Unterdrückerapparat oder für Moscheen und Tempel zu
verwenden. Auch hat man wohl paramilitärische Ausbildungscamps großer
Ausdehnung gefunden.
Eine weltliche Staatspolitik hatten sie einfach nicht gemacht, weil die
Herrscher nur das Jenseits als eigentliches Lebensziel akzeptierten.
Dies führte geradewegs ins Mittelalter, jeder fortschrittliche Mensch
kann hier nur Haß und Abscheu gegenüber den islamistischen
Taliban-Verbrechern empfinden – an dieser Grundhaltung hat sich
jedenfalls bei mir bis heute nichts geändert, solche Verbrecher sind
meine Todfeinde; mein ganzer Haß gilt Ihnen, ich wünsche Ihnen von
ganzem Herzen, dass ihre Sehnsucht nach dem Tod in Erfüllung gehen möge
! Die imperialistischen USA sind es aber sicherlich nicht (die
deutschen und französischen Imperialisten, die Saddam Hussein noch nach
den USA in den Hintern gekrochen sind, aber auch nicht), die über Leben
und Tod solcher Verbrecher zu entscheiden haben, haben sie doch selbst
jahrelang die Taliban unterstützt und vor dem 11.9.2001 die
Ermittlungen ihres FBI unter dem Deckel gehalten, um mit ihnen
ungestört über die Auslieferung des Großkapitalisten Bin Laden
verhandeln zu können (siehe hierzu die Quellenangabe in den folgenden
Abschnitten).
Die Frage nach der Motivation der Täter vom 11.9.2001 bzw. 11.3.2004
und wie sich eine derart hoch potente Organisation überhaupt bilden
kann, die die Möglichkeit hat, die Infrastruktur für einen Anschlag in
den USA oder auch in Madrid, bereitzustellen, wird nur am Rande oder
überhaupt nicht gestellt, denn dann käme man zwangsläufig auf die
Nahostpolitik, die die USA vor dem 11.9.2001 betrieben hat, oder die
engen wirtschaftlichen und ökonomischen Beziehungen und Verflechtungen,
die nicht nur der Bush-Clan mit den islamischen Ölfördernationen, wie
z.B. Saudi-Arabien unterhält.
Diese Politik zielte vor dem 11.9.2001 darauf ab, islamistische
Organisationen und Staaten ökonomisch massiv zu unterstützen, sich mit
ölproduzierenden Ländern wie z.B. Saudi-Arabien wirtschaftlich eng zu
verflechten, um sie dann als „nützliche Idioten“ gegen den noch damals
bestehenden WARSCHAUER PAKT und vor allem die Sowjet-Union einzusetzen.
Nach deren Verfall erkannte man, dass in einigen dieser Staaten der
Islam eine nicht unerhebliche politische Rolle spielt, wie z.B. in
Bosnien, und so bekam diese bereits voll im Laufe befindliche
„Islampolitik“ den neuen Sinn, zu verhindern, dass sich Europa zuviel
von der Konkursmasse des zugrunde gehenden „Ostblocks“ einverleibe.
Ausdrücklich hinzuweisen ist auf die Gefahren bzw. Folgen, die eine
solche imperialistische Diplomatie hatte und hat: 1.Verhandlungen mit
den Taliban 2.Ökonomische Verflechtungen mit Saudi-Arabien
– zu beiden Punkten sei auf das Buch der Journalisten Brisard und
Dasquie´ , „Ben Laden - La verite interdite“(Ben Laden – Die verbotene
Wahrheit) verwiesen (Suchbegriff „verbotene wahrheit“ in der
Suchmaschine „Google“ unter www.google.de eingeben!). Der Text
„Kommunismus darf nicht nur Fragen stellen, sondern muß auch Antworten
geben“, von dem ich nicht mehr genau weiss, wann ich ihn geschrieben
habe, enthält ebenfalls ausführliche Anmerkungen über den Islamismus
und vor allem über die Geschichte Saudi-Arabiens, die Grundlage für das
Verständnis vom Islamismus und seiner Wurzeln im modernen Kapitalismus
bildet .
So werden die US-Imperialisten es auch den Israelis haben verkaufen
müssen, eine partnerschaftliche Zusammenarbeit mit der islamischen Welt
ist natürlich unter diesen Bedingungen völlig ausgeschlossen, im
Gegenteil: auch ohne die US-Kriege gegen Afghanistan, Irak oder bald
vielleicht gegen den Iran, fühlt sich auch die gemäßigte islamische
Welt von den USA und ihren Verbündeten angegriffen und ihrer Rohstoffe
beraubt, das ist nicht nur Ergebnis US-amerikanischer Kriegs- und
Wirtschaftspolitik, der Kapitalismus des „Westens“ insgesamt in seiner
letzten, bis zur Selbstzerstörung gehenden Phase ist es, der diese
Menschen auf den Plan ruft. Diese Gegenreaktion, bis hin zur
islamistischen Reaktion, hat dann auch nur wenig gemein mit den
mittelalterlichen Taliban – letztere sind ein auf Afghanistan
bezogenes, lokales Phänomen.
Islamistische Strukturen haben nicht, wie man es anhand der
provinziellen Taliban denken könnte, in von der Außenwelt
abgeschnittenen ländlichen Gegenden ihre Hochburgen, sondern, im
Gegenteil, in Großstädten wie z.B. dem marokkanischen Casablanca, in
denen sich niemand auf den Boden wirft, wenn der Muezzin zum Gebet ruft
– jedenfalls konnte ich das dort noch nicht sehen. Dort, wo das Leben
also am meisten pulsiert, am „westlichsten“ und am „großstädtischsten“
ist, bekommen islamistische Extremisten den meisten Zulauf, rekrutieren
die meisten „lebenden Bomben“. Um sich das zu erklären, muß man also
weg vom „hinterwäldlerischen“ Taliban-Kämpfer. Islamisten sind eine
politische Gegenkultur, die überall ihr Zuhause haben kann. Notwendig
ist also eine Politik der fortschrittlichen Menschen und des
internationalen Proletariats, die diesen Islamisten das Wasser abgräbt,
indem gläubigen Moslems deutlich signalisiert wird, dass man sie
respektiert und in Ruhe läßt, indem man auf die Nationalstaaten der
westlichen Welt Druck von unten ausübt, damit diese konzertiert ihren
Einfluß auf das internationale Kapital geltend machen und ihm
signalisieren „Bis hierher und nicht weiter – wir wollen auch noch
morgen friedlich mit der islamischen Welt zusammenleben, das geht aber
nicht, wenn diese sich durch uns bedroht oder ihrer Ressourcen beraubt
fühlt“. Islamismus würde auch dann zurückgehen, wenn das Volk von
Palästina eine sichere Existenz vorfände, die nicht nur israelische
Marginalisierungspolitik ein Ende nähme und es sich von der sog.
„internationalen Wertegemeinschaft“ gerecht behandelt fühle. Letztere
muß durch ein internationales Proletariat abgelöst werden. Die
Gerechtigkeit des internationalen Proletariats ist es, die den
Islamismus mit einem Handstreich in die Wüste schicken kann, nicht
US-amerikanische Raketen oder israelische Panzer und Mauern !
Was den imperialistischen Krieg der USA gegen den Irak anbelangt, so
beschränken Staaten wie Deutschland aber ihre Opposition auf
Selbstbeweihräucherung, Betroffenheitsgesten und höchstens auf das
einzige substantielle Statement, dass dieser Krieg völkerrechtswidrig
sei. Das hindert sie aber nicht daran, in den Irak 20 Spähpanzer „Fuchs
zu liefern(7). Und unmoralisch ist der Krieg höchstens deshalb, weil er
der alteuropäischen Staatsraison widerspricht, nach der eben ein
gewisses Procedere eingehalten werden muss. Macht- und Profitgier
werden den USA ebensowenig vorgeworfen, wie ihre Kriegspolitik
deren Ziel es ist, den Irak sturmreif zu schießen, um sich dann
langfristig möglichst billig einzukaufen, um die miese
Außenhandelsbilanz und den hohen Rohstoff- und Geldverbrauch
ausgleichen zu können. Denn dieses fiele auf den Charkater des
Kapitalismus als Ganzes zurück und da ist man sich natürlich einig !
Deswegen hat auch Deutschland keine Schwierigkeiten damit, den USA von
Anfang an alle Überflugrechte über Deutschland zu gewähren, die Basen
der US-Army in Deutschland als Drehscheibe der Kriegslogistik
unwidersprochen hinzunehmen und als direkte Unterstützung des Krieges
US-Kasernen durch die Bundeswehr bewachen zu lassen oder die Bundeswehr
mit AWACS-Aufklärungsflügen sogar direkt am Krieg zu beteiligen.
Spätestens hier wird die löchrige Antikriegshaltung der BRD klar, die
Panzerlieferung läutet eine eindeutige Kehrtwendung diesbezüglich ein.
Überhaupt erfährt der Rüstungsexport unter der rosa-olivgrünen
Bunderegierung einen starken Aufschwung: Neue Märkte, wie Libyen,
Israel und die Türkei stehen an(7). Nur selbst will die Bundesregierung
den Irak-Krieg nicht führen, weil er ihr strategisch nicht paßt, die
Bundeswehr ohnehin schon zu viel zu tun hat und Deutschland im Irak
bereits zu Saddams Zeiten gut aufgestellt war.
Neben dem „Staatsmann Bush“ besteht ein weiterer Propagandaschlag der
Presseberichterstattung im Dienste der Kapitalbourgeoisie gegen die
restlichen denkenden Menschen darin, dass man mit dem Sturz Saddam
Husseins oder einem Angriff auf den Iran den „Terrorismus“ oder die
„Tyrannei“ bekämpfen müsse. Ersteres scheinen große Teile der
Verantwortlichen des Irak-Krieges tatsächlich selbst zu glauben.
Offensichtlich gibt es in den USA auch nur wenige Intellektuelle, die
sich jemals die Mühe gemacht haben, zu klären, worin denn genau das
Wesen dieses Terrorismus überhaupt besteht, oder ob es „den
Terrorismus“ an sich überhaupt gibt. Auch wäre zu überlegen, worin „die
Tyrannei“ besteht, und welches ihre Ziele im einzelnen sind.
Es liegt im Charakter, nicht nur der Kapitalbourgeoisie, mit
idealistischen Begriffen Propaganda zu betreiben. Und die
Presseberichterstattung auch in jenen Ländern, deren Regierungen sich
gegen eine Beteiligung am Irak-Krieg aussprechen, macht fleißig mit.
Die Bestrafung der Urheber für diesen Idealismus folgt aber schon sehr
bald, denn mittlerweile ist wohl unstrittig, das Saddam Hussein
Diktator, Verbrecher, Massenmörder und was nicht sonst noch alles
gewesen ist, aber bestimmt kein Terror ist, weil der Terrorist, der
keine Statsmacht also auch nicht die Diktatur Saddam Husseins
anerkennt, eine antistaatliche Grundhaltung hat. Dieser Anarchismus
muss aber von seiner ganzen Natur her Saddam Hussein völlig verhaßt
sein. Nein, im Gegenteil: erst durch den Sturz Saddam Husseins, den
Krieg gegen den Irak und das dazugehörige Besatzungsregime haben die
dafür Verantwortlichen ein Macht- und Ordnungsvakuum erzeugt und den
Irak zu dem gemacht, was er unter Saddam Hussein niemals war: Dreh-,
Angelpunkt und Rekrutierungsfeld für Terroristen aller Art.
Das heißt aber: Der Staatsmann Bush, der in Afghanistan und auch für
den Irak „Nation-Building“ betreiben wollte, aber natürlich nie nach
den politischen und ökonomischen Grundlagen dafür gefragt hat, muß
natürlicherweise daran scheitern, weil sich eine solche komplexe
Problematik nicht mit Idealismen wie „Demokratie“, „freie Wahlen“,
„westliche Werte“ oder auch negativen Idealismen, wie „Schurkenstaat“,
„Achse des Bösen“ oder „altes Europa“ behandeln läßt. Dass der
Intellekt George W's das nicht nachvollziehen kann, weil er dafür wohl
zu einfach gestrickt ist, liegt nahe, dass die jetzige Außenministerin
und vormalige Sicherheitsberaterin Condoleeza Rice aber anscheinend
auch zu den geistigen Tieffliegern gehört, ist schon sehr
verwunderlich. Selbst eine absolute Hardlinerin, die für einen Krieg
mit dem Irak und vielleicht auch dem Iran ist, muß doch, schon allein
um die USA vor Schaden zu bewahren, wissen und auch
formulieren können, was für einen Krieg sie gegen den Irak überhaupt zu
führen gedenkt.
Der Krieg mit dem Irak erweist sich daher folgerichtig als eine einzige
katastrophale Fehlkalkulation für die USA: Das staatsmännische
Feigenblatt des „Nation-Building“ und der Bekämpfung des Terrorismus
hat sich als absoluter Fehlschlag erwiesen, wie schon ausgeführt. Es
geht schon lange nicht mehr darum, die Bevölkerung von der ehemals
staatstragenden Baath-Partei zu befreien, ganz im Gegenteil: das von
den US-Besatzung erzeugte Chaos bekommt der Baath-Partei hervorragend:
Sie versteht es wie keine andere Organisation, nicht nur im Kreise der
Widerstandsbewegung neue Mitglieder zu rekrutieren, sondern sie ist
auch hoch modern ausgestattet mit Informationstechnologie aller Art(6).
Die irakische Widerstandsbewegung erfreut sich inzwischen zahlreicher
Handfeuerwaffen, Panzerfäusten und tragbaren Boden-Luft-Raketen, die
aus früheren Beständen der irakischen Armee stammen, daurch ist der
Irak selbst für die US-amerikanische Luftwaffe ein schwer
kalkulierbares Risiko geworden(8). Der Generaldirektor der irakischen
Marionettenregierung für die „Entbaathifizierung“ Mithal Al-Alusi
spricht von der Baath-Partei als einer zweiten irakischen Regierung,
die der offiiziellen Regierung die Macht stehle. „Ihre
Organisationsarbeit ist gut und stark“(6).
Entgegen ihren Beteuerungen, bekommen die US-Besatzer daher im Irak,
was die Lebensbedingungen und die Versorgung der Zivilbevölkerung
anbelangt, nichts zustande. Wenn in einigen Städten und Dörfern
Müllabfuhr, Strom oder Wasser zeitweise funktionieren, so ist das nicht
der Fall wegen, sondern trotz der US-Besatzung – vielerorts haben die
Widerstandsgruppen die Reparatur von Versorgungsleitungen und das
Betreiben der Müllabfuhr übernommen !
Wenn man unterstellt, dass es jemals Sinn des Besatzungsregime der USA
im Irak war, der Bevölkerung des Iraks etwas Gutes zu tun, so wird seit
der verbrecherischen Belagerung Fallujahs klar, dass der Krieg nur noch
die Funktion hat, den Irak sturmreif zu schießen, um sowohl
militärischen als auch politischen Widerstand seitens der angeblich zu
befreienden Bevölkerung blutig niederzuschlagen. Es scheint auch mehr
und mehr die Devise zu gelten „Gefangene werden keine gemacht“; es wird
sich nicht mehr die Mühe gemacht, wie in vorhergehenden Kriegen, sog.
„Kollateralschäden“ zu bedauern: So erstürmt eine Gruppe von
US-Soldaten – die ARD berichtete ausführlich darüber - im Herbst 2004
eine Moschee. Ein Soldat sagt: „Hier sind alle tot“, woraufhin ein
zweiter entgegnet: „Da bewegt sich noch einer!“ Der erste Soldat
erschießt daraufhin den ums Leben ringenden unbewaffneten Iraker mit
dem Kommentar: „So, jetzt ist er auch tot.“ Über die Welle der
Empörung, besonders auch in der US-amerikanischen Bevölkerung berichtet
die ARD daraufhin fast stündlich, stellt das Ganze aber fast
gebetsmühlenartig als Einzelfall dar(2).
Es ist keine Rede von Mord und Totschlag an irakischen
Widerstandskämpfern und irakischer Zivilbevölkerung, keine Rede von
inzwischen zigtausend ermordeten Irakern in einem völkerrechtswidrigen
Krieg. Die Begriffe „Völkerrechtsbruch“ und „Kriegsverbrechen“ werden
bewußt vermieden(2).
Hier transportiert die Propaganda der gleichgeschalteten deutschen
bürgerlichen Presse das Bild eines Krieges, den zwar die
Bundesregierung als Staat unter Staaten politisch ablehnt, das
berichtete Ereignis in der Moschee von Fallujah delegitimiert aber den
„Mitstaat“ USA nicht, auch wenn der Krieg nach Meinung der
Bundesregierung sogar „völkerrechtswidrig“ ist, sondern ist ein
Betriebsunfall gestreßter Individuen in Uniform. Dieser Logik folgt
auch die Meldung am gleichen Tag über 38 gefallene US-amerikanische
Soldaten – die „Guten“ also - und 1500 „Toten“, die mit wechselnden
Begriffen belegt werden, was schon allein zynisch ist. Man redet von
„Aufständischen“, „Rebellen“ oder sogar von „Partisanen, mit denen die
US-Armee natürlich anders verführe als mit Angehörigen einer regulären
Armee“ laut ARD-Tom Buhrow(2). Von Partisanen hat Joseph Goebbels auch
schon gesprochen: Wenn sich z.B. Griechen, Jugoslawen oder Franzosen
gegen die einfallenden marodierenden Nazibanden und faschistischen
Hilfstruppen befreundeter Nationalitäten gewehrt haben, so war das eben
nicht der legitime Widerstand der dortigen Bevölkerung oder wenigstens
der dortigen Soldaten, sondern die Opfer werden durch abwertende
Begriffe zu Tätern gemacht, die den sich militärisch engagiernden
Ordnungskräften das Leben schwer machen.
So spielt die deutsche Traditionsmusik gleichgeschalteter bürgerlicher
Presseberichterstattung dazu! Bundespropagandaministerium pur also:
Nachrichtensprecher als Büttel deutscher Staatsraison, die den US-Krieg
zwar nicht bezahlen oder gar mitführen will, die aber die Triebfeder
eines solchen Krieges, nämlich Macht- und Profitgier der
internationalen Kapitalbourgeoisie deren Bestandteil eben auch der
Bush-Clan ist, weder darstellt noch politisch angreift. Und wenn es
dann etwas Anrührendes zu berichten gibt, dann hat natürlich nicht der
Staat USA die Autorenschaft, sondern dann ist das ganze eben mangelnde
Kriegskunst einzelner Soldaten – Krieg als Mittel der Staatspolitik
wird nicht nur nicht angegriffen, sondern auf der individualistischen
Ebene saubergewaschen, gleiches gilt für die Mißhandlung irakischer
Kriegsgefangener durch US-amerikanische oder britische Soldatinnen und
Soldaten; diese Halbwahrheit, diese unerträgliche Lügerei hilft, neue
Kriege vorzubereiten und deshalb ist diese Art der Berichterstattung
als Kriegtreiberei zu verarchten ! Dieses deutsche Presseunwesen paßt
zu seinem Land, welches im letzten Jahrhundert Belgrad bombardiert und
zwei Weltkriege auf dem Gewissen hat ! Eine Tradition überschreitet die
Jahrtausendwende ! Es gibt m.E. nur wenig verabscheuenswürdigeres und
hassenswerteres als das gleichgeschaltete deutsche Presseunwesen – eine
Beleidigung für jeden denkenden Menschen – widerwärtigste
Umweltverschmutzung !
Deshalb ist es auch kein Zufall oder nur auf Unprofessionalität
zurückzuführen, dass es außer Zahlen über getötete US-Soldaten oder
Widerstandskämpfer keine Angaben über die sicherlich um ein Vielfaches
höhere Anzahl getöteter Zivilisten gibt(2) – man will auf alle Fälle
vermeiden, dass der Krieg seine wahren Charakter offenbart, der schon
längst dem Vietnam-Krieg ähnlich geworden ist(5). Deutschland ist gegen
den Krieg – ja - aber das Bild eines Bündnispartners der von Staates
wegen nur noch dahinmordet – das stört das Bild von der sauberen
Staatsräson; für die US-Berichterstattung gilt natürlich ähnliches: das
Trauma von US-Militärs einer durch Kriegsberichterstattung
aufgebrachten Zivilbevölkerung, die in den USA dazu geführt hat, dass
der Vietnam-Krieg schließlich abgebrochen werden mußte, ist durchaus
noch vorhanden(5).
Spätestens bei Fallujah (dazu weiter noch im Folgenden) ist aber mit
dem von der US-Kriegspropaganda in Spiel gebrachtem Begriff des
„Nation-Building“ Schluß. Auch die Auffassung US-freundlicher
Idealisten, Bush könne seine Truppen nicht abziehen, weil sonst ein
Bürgerkrieg drohe, verliert hier ihre Grundlage, wenn sie denn je eine
gehabt hat. Das Kriegsziel ist klar und es ist deckungsgleich mit der
Logik der absoluten Ressourcen- und Menschenverwertung des Kapitalismus
in der letzten Phase: Der Irak soll zur kompletten Machtübernahme
sturmreif geschossen werden, der Bürgerkrieg läuft bereits parallel
dazu und ist von den USA durchaus erwünscht, denn auf die Dauer ist es
zu aufwendig, eine Militärdiktatur im Stile Lateinamerikas der 70er
Jahre zu unterhalten; das ist zu teuer und viel zu ineffizient.
„Marginalisierung“ beschreibt eine neue Art von Kolonialpolitik: Den
Irakern soll es so schlecht gehen, dass ihnen gar nichts mehr anderes
übrig bleibt, als für ein paar Dollar die Trümmer ihres Landes für
US-Konzerne wieder aufzubauen. Wenn es dem Menschen schlecht genug
geht, dient er seinem Unterdrücker freiwillig und führt sich der
kapitalistischen Menschenverwertung zu. Haben nicht schon bei der sog.
„Befreiung“ Bagdads US-Soldaten marodierende Banden dazu angestiftet,
Museen, Krankenhäuser und Schulen zu plündern ? Das liegt mit dem
jetzigen Zustand auf einer logischen Linie !
Noch perfider ist die Tatsache, dass zu Zeiten der US-amerikanischen
Großoffensive gegen Fallujah im November 2004 nur von ca. 200
gefangengenommenen Irakern berichtet wird. Diese im Vergleich zu den
Toten relativ geringe Zahl und das Ereignis in der Moschee lassen den
Verdacht aufkommen, dass verantwortliche US-Militärs oder sogar die
Politik die Devise herausgegeben haben „Gefangene werden keine
gemacht“(3) - das wird von der deutschen Presseberichterstattung
natürlich auch nichthinterfragt, obwohl die Bundesregierung sich ja
gern als die Anwältin des „Völkerrechts“ und als Vorzeigedemokratie
ausgibt. Die Behandlung von Kriegsgefangenen ist Hauptbestandteil
dieses Völkerrechts, der Genfer Menschenrechtkonvention aktiv zur
Geltung zu verhelfen, die Bringschuld jeder Kriegsberichterstattung.
Was tut aber das deutsche Presseunwesen? - Kein Hinterfragen, keine
Ermahnung, erst recht keine sonstige Aktivität oder gar Recherche,
nichts...!
Auf diese Weise empört man sich in Deutschland und anderswo über
Einzelereignisse, erkennt aber nicht, was eigentlich los ist; die USA
betreibt die Marginalisierung des Iraks indem sie ihren
völkerrechtswidrigen Krieg „vietnamisiert“: Am 11.11.2004 greift
US-Artillerie Fallujah mit Granaten, die weißen Phosphor enthalten, an.
Weißer Phosphor verraucht nach seiner Freisetzung schnell zu einem
feinen Nebel der sich an der Luft sofort selbst entzündet, eine
unvorstellbare Hitze entwickelt und mit Wasser nicht zu löschen ist. Es
wurde in Fallujah also eine Feuerwalze entfacht, die an die
Napalmbomben von Vietnam oder den Feuersturm von Berlin, Dresden und
Hamburg erinnert. Die Straßen von Fallujah waren übersät mit
verschmorten Leichen, wer nicht direkt durch das Feuer umkommt, weil er
sich etwas abseits vom Granateneinschlag aufhält, erstickt wenig
später. Es handelt sich also schon längst nicht mehr um Militäraktionen
„zur Aushebelung von Rebellenbanden“, wie es die
US-Militärpropagandamaschinerie glauben machen will, sondern um einen
Vernichtungskrieg gegen die Iraker, umso mehr, weil es den meisten
Rebellen gelungen ist, die Stadt rechtzeitig vor den US-Angriffen zu
verlassen. Der Logik einer allgemeinen Zermürbungs-, Vernichtungs- und
Bestrafungsaktion gegen die Bevölkerung Fallujahs folgt auch die
Tatsache, dass Strom und Wasser gekappt wurden und dem „Roten Halbmond“
verboten wurde, Hilfsgüter aller Art und Medikamente zu liefern. Ganze
Stadtteile sind planmnäßig in Schutt und Asche gelegt worden(5).
Ich will gar nicht in Abrede stellen, dass es US-Militärs gibt, die an
ihre eigene Propagandalüge glauben, man könne im Krieg sog.
„Kollateralschäden“ an der Zivilbevölkerung auf ein Minimum
beschränken. Militärkaktionen, in denen man das vielleicht ursprünglich
versucht hatte, aus denen heraus solche Militärs die moralische
Rechtfertigung für den Krieg gegen Irak herleiten, sind jedoch am
irakischen Widerstand gescheitert, der Krieg ist also auch von dieser
(pseudomoralischen) Seite her für die USA ausser Kontrolle geraten: So
wurden in den Monaten Februar bis September 2004 die US Truppen aus
Samarra (100 km nördlich von Bagdad gelegen, 250000 Einwohner),
Fallujah (250000 Einwohner, die Großoffensive war dann im November 2004
die Antwort darauf) und Ramadi (500000 Einwohner) vertrieben(6).
Auch bei massiven Militärkampagnen sind die US-Truppen völlig
überfordert damit, die Gefechtslage und qualitative, sowie quantitative
Stärke des Gegner richtig einzuschätzen: So konnten in Samarra ungefähr
500 Widerstandskämpfer eine 7-stündige Angriffswelle von
US-Panzereinheiten, die auch nocht von der US-Luftwaffe durch den
Abwurf von 500 kg-Bomben unterstützt wurden, erfolgreich abwehren. Für
den zweithöchsten Offizier der US-Streikräfte im Irak, Thomas Metz, ist
Fallujah das größte Problem, danach kommt Samarra, weitere große Teile
des Irak, wie z.B. sunnitische Gebiete nördlich und westlich von Bagdad
bleiben von den USA unkontrolliert, sowie südliche shiitische Städte,
wie z.B. Basra. Die Schätzungen der US-Streikräfte über die Anzahl der
bewaffneten Aufständischen – 5000 - haben sich inzwischen als viel zu
niedrig erwiesen. Es gibt andere Schätzungen von bis zu 12000
Vollzeit-Aufständischen, 3000 werden allein von den regulären Soldaten
der sog. „Fallujah-Brigade“ gestellt(6).
Die Zahl der verletzten US-Soldaten erreichte für den Monat August 2004
eine Zahl von 1100, die bisher höchste monatliche Zahl seit Anfang des
Krieges. Ursache sind die Abgriffe auf Samarra, Fallujah und Ramadi
sowie die Kämpfe im südirakischen Nadjaf und Gefechte in einem Slum von
Bagdad. Diese Militäraktionen, zwei Monate nach der offiziellen
„Regierungsübergabe“ an den Irak, haben es den USA nicht ermöglicht,
auch nur ansatzweise die Kontrolle über die erwähnten Orte zu erlangen.
Am 5.9.2004 haben sich dann die US-Truppen aus Samarra und Fallujah
zurückgezogen, letzteres hatten die US-Marines seit April 2004
belagert; zuvor schon einmal. Die regulären Soldaten wurden dann aber
im März 2004 durch eben jene Marines ersetzt, die 3 Wochen lang ein
blutiges Gemetzel veranstalteten, bevor massenhafte
Solidaritätsdemonstrationen in Bagdad bewirkten, dass sie die Kämpfe
einstellten und sich vor der Stadt verschanzten. Schon alleine vor
diesem Hintergrund, kann der Angriff auf Fallujah vom November 2004 nur
als reine Racheaktion einer mordgierigen und blutrünstigen Soldateska
verstanden werden. Moralisch haben sich die USA schon längst auf eine
Linie mit den Attentätern vom 11.9.2001 und vom 11.3.2004 gestellt.
Um den Oktober 2004 herum haben die US-Militärs die Kontrolle über die
komplette Provinz Anbar verloren, in Ramadi bewegen sich Aufständische
ungehindert, die USA haben die permanente Präsenz in der
Provinzhauptstadt aufgegeben.
Einen etwas anderen Charakter hat im Gegensatz zu den genannten
sunnitischen Gebieten der Gang der Dinge in den shiitischen Hochburgen:
Die Shiitien zeigen Verhandlungsbereitschaft , die USA wollen hier
anscheinend den Versuch machen, für ihr irakisches Satelittenregime
eine Art „Autonomiepolitik“ zu betreiben: Hier zeigt sich dann aber
rasch die Fortschreibung der Dummheit jener Leute, die Bush beraten:
Die absolute Unfähigkeit den militärischen und politischen Charakter
des zuvor begonnenen Kriegs einzuschätzen, wie weiter oben beschrieben,
mündet im sunnitschen Teil darin, dass die gleichen Leute auch zu dumm
sind, den Gegner in Anzahl und Stärke einzuschätzen , und im
shiitischen Teil, wo sich der „Gegner“ zumindest verhandlungsbereit
zeigt ist, versagt der Beraterstab um Rice und Rumsfeld ebenso
kläglich, sie bringen auf der ganzen Linie, militärisch, politisch und
auch diplomatisch, d.h. in Sachen eines „Wiederaufbaus“ - wie auch
immer sie sich das vorstellen – absolut nichts zustande, letzteres
macht bereits der Widerstand und die Baath-Partei, wo sie nicht gerade
von den US-Truppen daran gehindert werden. Die Tatsache, dass Frau Rice
Universitätsprofessorin werden konnte ist, spricht nicht gerade für die
Qualität US-amerikanischer Universitäten.
Zur Erklärung dieser Vorwegnahme: Im letzten Jahr gelang es den
US-Militärs durch Verhandlungen mit dem Großayatollah Sistani, in Najaf
und Kufah einen Waffenstillstand mittels eines geordneten Rückzuges zu
erreichen, ähnliches ist wohl in Kerbala gelaufen. Als dieser
Waffenstillstand dann in Kraft getreten ist, kündigte der Führer der
Mahdi-Milizen Moqtada Al-Sadr an, seinerseits ebenfalls die Angriffe
auf US-Truppen einzustellen, die zuvor 3 Wochen in Najaf erfolgten. Das
Ziel eines dauerhaften Waffenstillstandes war in greifbare Nähe
gerückt. Als Al-Sadr dann zu den Wahlen antreten wollte, beschlossen
die US-Militärs, Al-Sadrs Mahdi-Miliz in Sadr-City, einem riesigen
Slum-Bezirk in Bagdad mit 2.5 Mio. Einwohnern, zu zerschlagen. Diese
Militäraktion schien den US-Militärs besonders geeignet, da es in Sadr
City weniger Heiligtümer gibt, auf die Rücksicht zu nehmen ist, um den
Anschein eines „Krieges (nur) gegen den Terror“ zu wahren, wie in
anderen historischen Städten und Stadtteilen. Herausgekommen ist ein
doppelter politischer Fehlschlag, staatspolitisch, weil dadurch die
Möglichkeit eines umfassenden Waffenstillstandes, der erstmals den
Anfang eines sog. „Nationbuildings“ im Sinne der Propaganda der
US-Administration ermöglicht hätte, bevölkerungspolitisch, weil Moqtada
Al-Sadr auch bei sonst „politisch gemäßigten“ Irakern durch diese
Aktion einen gewaltigen Zulauf erfahren hat. Militärisch gelang es
Al-Sadr, seine Miliz fast unbeschadet zu halten(3).
Und darin liegt eben der durch Prinzipienlosigkeit bedingte Irrtum im
Weltbild der ach so demokratischen „westlichen Wertegemeinschaft“,
denn: Moqtada Al-Sadr ist sicherlich kein antiimperialistischer
Befreier, wie ihn einige linksradikale Schwärmer darstellen, sondern
ein religiöser Kleriker, der alle Ausländer aus dem Land vertreiben
will, um selbst unhinterfragt herrschen zu können. Er ist andernseits
aber auch nicht nur ein Schurke, dem man einfach die Teilnahme an
Wahlen verbieten kann(3), oder den man als Anlaß nehmen kann, gleich
eine ganze Stadt, wie Sadr-City zu bombardieren. Gerade seinetwegen
hatten aber wohl große Teile des liberalen Bürgertums keine
nennenswerten Schwierigkeiten mit dieser Strafaktion des US-Militärs.
Die Journalistin und Autorin Naomi Klein verweist in diesem
Zusammenhang auf die Notwendigkeit der Entwicklung eines
„prinzipienfesten Demokratiestandpunktes“ (m.E. sowohl für Bürgerliche
als auch für Kommunistinnen und Kommunisten gleich dringlich) – und so
wird dieser auch im Irak vertreten: „So tritt jeder Iraker dafür ein,
dass Al-Sadr eine Zeitung herausgeben und zu den Wahlen antreten dürfen
soll, ohne ihn ursprünglich wählen zu wollen. Sicherlich ist es
andernseits auch so, dass wenn Al-Sadr für Pressefreiheit eintritt, er
dies nicht für freie Journalistinnen tut, wie er auch nicht für das
Wahlrecht anderer politischer Minderheiten eintritt(3).“ Er macht das
alles nur für seine eigene Rechnung ! Doch die entgegengesetzte Logik,
dass ausgerechnet der machtbesessene und
christlich-fundamentalistische, frauenfeindliche Bush im Irak die
Demokratie herbeibomben will(3), sollte doch jedem denkenden Menschen
als innerer Widerspruch erscheinen, dieser wird aber von allen
westlichen bürgerlichen Medien unhinterfragt hingenommen und propagiert.
Es ist auch sicherlich richtig, dass der Irak in zunehmenden Maße durch
religiösen Fanatismus bedroht ist, „die USA werden aber irakische
Frauen oder Minderheiten vor der Bedrohung durch religiöse Fanatiker
ebensowenig schützen, wie sie Zivilisten davor geschützt haben, in
Fallujah oder Sadr-City bombardiert zu werden, oder wie sie Gefangene
davor geschützt haben, in Abu-Ghraib gefoltert zu werden“ (3), von den
im ersten Golfkrieg mißbrauchten und dann doch im Stich gelassenen
Shiiten ganz zu schweigen. „Warum auch ? - Beherrschung und nicht
Befreiung ist das Ziel dieses Krieges !“(3)
Die inzwischen stattgefundenen Wahlen stellen daher auch nicht die
Alternativen auf, zwischen einem laizistischen, demokratischen
Staat und einem islamistischen Gotteststaat, sondern es geht darum, ob
es tatsächlich freie Wahlen sind, die dann für das eine oder das andere
ausgehen können, oder ob es sich um manipulierte Pseudowahlen hadelt,
die Allawis Marionettenregierung mit Hilfe von Schlägerbanden des CIA
fest installieren sollen. Deshalb wird Al-Sadt gejagt, nicht weil er
Minderheiten- oder Frauenrechte beschneidet, sondern weil er die Macht
der USA und seiner Schießbudenfigur Allawi genauso in Frage stellt, wie
die Existenz von US-Basen und das von Paul Bremer durchgestzte
Gesetzeswerk, welches Privatisierungen großen Ausmaßes ermöglicht und
damit den Irak auch ökonomisch marginalisiert(3).
Für fortschrittliche Kräfte sollte es daher selbstverständlich sein,
gegen US-Attacken auf Al-Sadr vorzugehen, weil das dem religiösen
Fundamentalismus im Irak das Wasser abgraben und diesem Land
schnellstmöglich eine eigenständige, demokratischen Zukunft ermöglichen
wird(3).
Durch die Bombardierungen von Sadr-City ist es Al-Sadr jedenfalls
gelungen, seine Rolle eines engstirnigen religiösen Fanatikers gegen
die eines allgemein geachteten und immer populärer werdenden irakischen
Nationalisten zu tauschen, so ergab eine Umfrage der provisorischen
Behörden im Mai 2004, kurz nach der Belagerung von Nadjaf, dass sich
bei 81% der Bevölkerung die Meinung über Al-Sadr wesentlich verbessert
hat; er rangiert bei einer weiteren Umfrage als zweitwichtigste
politische Figur im Lande und war sechs Wochen zuvor noch lediglich
eine Randfigur(3).
Die Stellung der Iraker zu einem Gottesstaat wird auch immer positiver:
Waren im Februar 2004, einem Monat vor Schließung von Sadrs Zeitung
durch Paul Bremer noch 70% der Iraker für einen laizistischen Staat, so
brachte eine Umfrage im August, als Najaf von den US-Streilkräften
belagert wurde, bei 70% der Iraker die Befürwortung eines islamischen
Staates mit der Shariah als Grundlage(3).
Die Irakische Widerstandsbewegung ist sehr gespalten, sowohl von den
Strukturen her als auch politisch: So sorgt die Frage für heftige
Diskussionen, wie man man sich zu den Konzeptionen von Befreiung und
Selbstbestimmung religiöser Gruppen stellt, anhand denen die USA und
Israel sich dazu veranlaßt sehen, eine Islamophobie in die Welt zu
setzen, die dann als Rechtfertigung sämtlicher imperialistischer
Erpressungsversuche, Unterdrückung und Gewalt dient. Dieser Zweck wird
stark unterschiedlich bewertet(4).
Wie stellt man sich zu den erfolgten Geiselnahmen im Irak ? - Vertreter
von Widerstandsgruppen im besetzten Fallujah, sowie Vertreter Al-Sadr
vertreten die Auffassung, dass es sich bei den Geiseln zuallermeist um
Leute handele, die auf die eine oder andere Weise den Besatzern direkt
in die Hände arbeiteten. Wie stellt man sich zu dem Einwand, dass die
Gefangennahme und Verschleppung von Mitarbeitern humanitärer
Organisationen oder Journalisten sowohl der irakischen als auch der
internationalen Antikriegsbewegung schade ? - Hier gibt es die Meinung,
dass die Widerstandskämpfer angesichts der Gräueltaten der USA hierzu
das Recht hätten.
Auch die Al Quaida wird unterschiedlich bewertet, stellenweise durchaus
als Terroristen und, ebenfalls wie die USA, als illegale, ausländische
Besatzungsmacht (z.B. in Afghanistan)(4).
Bei den irakischen Widerstandsgruppen taucht der Wunsch nach einer
politischen Einheitsfront auf und nach einer im Irak
abzuhaltenden internationalen Konferenz, die gleichzeitig dazu dienen
solle, alle nationalen irakischen Oppositionskräfte zu versammeln(4).
In der gemeinsamen Abschlußerklärung der internationalen
Antikriegskonferenz von Beirut drücken die Teilnehmerinnen und
Teilnehmer einhellig das Recht der Iraker und Palästinenser auf
Widerstand gegen die Besatzer aus und fordern den sofortigen Abbruch
der Apartheidmauer. Es wird eine Anti-Apartheid-Kampagne zur
politischen, diplomatischen und ökonomischen Isolierung Israels
beschlossen, inklusive eines weltweiten Boykotts israelischer Produkte
und der Massenmobilisation gegen Krieg und Besatzung im Irak und in
Palästina(4).
Es ist hier sicherlich die Frage, ob man jeden einzelnen Punkt dieser
Abschlußerklärung teilen kann, ich halte den Boykott israelischer Waren
für äußerst problematisch und würde mich selbst daran nicht beteiligen.
Der groß angelegte Charakter dieser Abschlußerklärung gibt aber auf
jeden Fall den Hauptansatz der antiimperialistischen Genossinnen und
Genossen Recht, die den Hauptzweck der US-imperialistischen Kriege
gegen Afghanistan und den Irak darin sehen, den zu Zeiten des
WARSCHAUER PAKTES existierenden Bilateralismus in der Welt in einen
dauerhaften Unilateralismus zu überführen. Das ursprüngliche Konzept
des Multilateralismus, wie er eigentlich nach dem 2.Weltkrieg breiten
internationalen Konsens gefunden hat und die Konzeption der Gemfer
Konvention soll jedenfalls endgültig unmöglich gemacht werden. Zu
diesem Zweck werden imperialistische Kriege angezettelt und geführt mit
dem Ziel, die angegriffenen Staaten und die in ihnen lebenden Menschen
zu marginalisieren, vom Aggressor größtmöglich abhängig zu machen
Diese „Marginalisierung“ fand bereits breiteste Anwendung im
Israel-Palästina-Konflikt, dieser ist sozusagen das Versuchslabor für
den Irak-Krieg und noch kommende Kriege des US-Imperialismus .
Foltermethoden im Iarl-Krieg und „Checkpoints“, mit denen die irakische
Bevölkerung drangsaliert wird, leiten sich aus alten israelischen
Methoden, bzw. deren „Kontrollpunkten“ ab. Staatliche Infrastruktur
gezielt zu zerstören, um Bürgerkriege herbeizuführen, das ist auch die
Methode des Regimes Sharon gegenüber den Palästinensern(1).
An dieser Stelle muß aber entschieden jedem Versuch entgegengetreten
werden, antijüdische-antiamerikanische Verschwörungstheorien zu
begründen: der Imperialismus und Kapitalismus sind zu bekämpfen bzw. zu
überwinden, gleich welcher Nationalität die Kapitalisten bzw.
Imperialisten angehören. Wie zu Anfang behauptet ist der
US-amerikanische Kapitalismus natürlich der effektivste, bzw.
bedrohlichste. Der deutsche Faschismus als weitere Spielart des
Kapitalismus, hat aber in gleichem Maße gezeigt, welche Verbrechen er
anrichten kann und jede kapitalistische Gesellschaft, deren Staat eine
mit den USA vergleichbare wirtschaftliche Stellung erreicht, wird die
gleichen imperialistischen Ansprüche entwickeln. Das ist ja gerade
das Schlimme, der Kern des Kapitalismus – die Barbarei ist
zwangsläufig, weil systemimmanent. Jeder, der den imperialistischen
Charakter des Kapitalismus einer bestimmten Nationalität oder Gruppe
von Menschen zuschreibt, verkennt und Mißversteht den Charakter des
Kapitalismus und ist dummer Idealist – jedenfalls kein Kommunist.
Den Zionismus als imperialistisch anzugreifen oder ihn als rassistisch
zu bezeichnen ist m.E. dann legitim, wenn man für die Legitimität der
Existenz eines Staates Israel ebenso eintritt wie für einen Staat
Palästina, der dann aber auch gegen Zugriffe Israels geschützt sein
muß. Die mörderische Marginalisierung des palästinensischen Volkes muß
sofort aufhören, das Volk braucht ein zusammenhängendes, lebensfähiges
Staatsgebiet. Ebenso entschieden ist aber auch gegen Islamisten, die
Israel zerstören wollen, einzutreten. Dies sind reaktionäre Kräfte die
nichts als ihre eigene Wahrheit anerkennen und andere Überzeugungen
nicht ertragen können, sie wollen die Welt wieder ins Mittelalter
zurückführen und hassen menschliche Freiheit, Unabhängigkeit und
Lebensfreude – das internationale Proletariat wird sie hinwegfegen !
Andernseits ist es mehr als durchsichtig, wenn Antiimperialistinnen und
Antiimperialisten als Antisemiten oder Faschisten verunglimpft werden.
Entweder haben sich diese Kritiker dann einen idealistischen
Pseudokommunismus zurechtgezimmert, der, beraubt um die
zugegebenermaßen komplexe materialistische Analyse des
Marxismus-Leninismus, dann wesentlich bequemer ist und für eine
modernistische Traumwelt pseudogesellschaftlicher Teilhabe taugt (siehe
PDS, Antideutsche, Jungdemokraten und auch MLPD), oder sie wollen den
Kommunismus tatsächlich um die Brisanz seiner stets ins Schwarze des
Kapitalismus treffende materialistischen Analytik (=Ideologie)
berauben. In beiden Fällen soll der legitime Widerstand von durch
imperialistische Unterdrücker bedrängten Menschen illegitimiert werden
– diese Menschen werden dann unter der geläufigen Anwendung des
Prinzips der Täter-Opfer-Umkehr (Begründer: J.Goebbels –
Weiterentwickler: G.W.Bush) zu „Partisanen“ oder „Illegalen
Kombattanten“ gemacht. In beiden Fällen wird diese selbst verordnete
Blindheit und Richtungslosigkeit, die noch- oder nicht-mehr-Genossinnen
und -Genossen steigender Frustration und innerer Leere zuführen, sie
werden sich nichts mehr erklären können, weil die politischen
Koordinaten verloren sind, und auf der falschen Seite aufwachen.
Quellen:
(1)An die Teilnehmer der Beiruter Antikriegskonferenz, Michael
Warschawski, Sozialistische Zeitung (www.soz-plus.de), November, S.12
(2)Gefangene werden nicht gemacht, Volker Bräutigam, Unsere Zeit (UZ) (www.dkp-online.de/uz/)
(3)Naomi Klein über den Widerstand im Irak, Naomi Klein, Sozialistische Zeitung, November 2004, S.13
(4)Wiedersehen in Fallujah, Leo Gabriel, Sozialistische Zeitung, November, S.12
(5)Vietnamisierung des Krieges, Sozialistische Zeitung, Detember 2004, Seite 1
(6)Widerstand drängt die Besatzer zurück
(7)Deutsche Fuchspanzer für den Irak, Martin Singe, Sozialistische Zeitung, November 2004, S.4
(8)Verlustraten wie in Vietnam, Rainer Rupp, UZ, 12.11.2004
